{"id":5715,"date":"2022-09-15T00:00:05","date_gmt":"2022-09-14T22:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/?page_id=5715"},"modified":"2022-09-23T13:04:12","modified_gmt":"2022-09-23T11:04:12","slug":"verfolgungsgruende-es","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/en\/einfache-sprache\/verfolgungsgruende-es\/","title":{"rendered":"Verfolgungsgr\u00fcnde (Einfache Sprache)"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"titel-ls txt-erster-ls\"><span class=\"weiss\">Warum Menschen verfolgt wurden<\/span><\/h1>\n<h2 class=\"ueberschrift-ls\">Verfolgungsgrund: National-sozialistische Rassen-Ideologie<\/h2>\n<p class=\"txt-ls\">1933 kamen die National-Sozialisten in Deutschland an die Macht. Sie teilten Menschen in \u201eRassen\u201c ein. Sich selbst sahen die Nazis als \u201earische Herrenrasse\u201c. Sie sagten, andere \u201eRassen\u201c h\u00e4tten schlechte Eigenschaften, die schon in ihren Genen stecken.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Vor allem Juden galten als \u201efeindliche Rasse\u201c. Ob jemand sich zur j\u00fcdischen Religionsgemeinschaft bekannte oder nicht, war egal. Nur die famili\u00e4re Herkunft z\u00e4hlte. So galten auch Juden, die als Christen lebten, weiterhin als Juden und als Feinde.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Unter der Nazi-Herrschaft wurde das Leben f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden wurde immer schlimmer.<br \/>\nSie verloren immer mehr Rechte und Freiheiten. Die sogenannten \u201eJudengesetze&#8221; verboten viele Berufe und Ehen. <br \/>J\u00fcdinnen und Juden durften keine Wohnung mehr mieten. <br \/>Den fr\u00fcheren Nachbarn, Kunden oder Patienten wurde immer wieder gesagt, nicht in j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften einzukaufen oder zu j\u00fcdischen \u00c4rzten und Anw\u00e4lten zu gehen.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Die Nazis verbreiteten Karikaturen, Filme, Lieder und beleidigende Zeitungsberichte \u00fcber J\u00fcdinnen und Juden. Sie sorgten daf\u00fcr, dass die Bev\u00f6lkerung an die Rassen-Lehre glaubte. Viele Menschen hassten deshalb J\u00fcdinnen und Juden als \u201efeindliche Rasse\u201c.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Die Nazis hatten den Plan, alle diese Menschen endg\u00fcltig \u201ezu vernichten\u201c. Das hei\u00dft, sie wollten sie alle t\u00f6ten. Das taten sie mit sorgf\u00e4ltiger Planung: mit Verhaftungen, Transporten in Arbeits-Lager und Konzentrations-Lager. Vielen sagen dazu \u201eKZ\u201c, das ist das kurze Wort f\u00fcr Konzentrations-Lager. Am Ende wurden in den KZs mehrere Millionen Menschen gequ\u00e4lt und ermordet.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Nur Juden, die mit Christinnen oder Christen verheiratet waren, wurden nicht ermordet. Durch ihre Ehepartner waren sie besser gesch\u00fctzt. Trotzdem wurden auch sie verfolgt. Manche Berufe waren auch ihnen verboten. Und auch sie wurden durch Gesetze ungerecht behandelt und gedem\u00fctigt.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Ein schlimmer H\u00f6hepunkt waren die Tage vor, am und nach der Reichspogrom-Nacht am 9.\u00a0November\u00a01938. In diesen Tagen wurden \u00fcberall Synagogen angez\u00fcndet. Viele Wohnungen und Gesch\u00e4fte j\u00fcdischer Menschen wurden zerst\u00f6rt. Juden wurden in KZs verschleppt und ermordet. <\/p>\n<p class=\"txt-ls\">So ging es auch den Juden in F\u00fcrstenwalde. Manche flohen nach 1933 aus Deutschland. Nur wenige schafften es, ihre Sachen rechtzeitig zu verkaufen. Vielen wurde alles weggenommen.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Die Menschen flohen in andere europ\u00e4ische L\u00e4nder, die man damals noch f\u00fcr sicher hielt. Andere nach Neuseeland, Australien, die USA und Brasilien. Manche gingen auch nach Shanghai. Das war der einzige Ort, f\u00fcr den man keine Einreiseerlaubnis brauchte.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Wer in Deutschland blieb, durfte nach 1938 nicht mehr in seinem Beruf arbeiten und konnte so kein Geld verdienen. Noch im selben Jahr mussten J\u00fcdinnen und Juden aus ihren eigenen H\u00e4usern ausziehen. Sie kamen in sogenannte \u201eJudenh\u00e4user\u201c \u2013 heute sagen wir dazu \u201eGhettoh\u00e4user\u201c. Das waren H\u00e4user, die j\u00fcdischen Menschen geh\u00f6rt haben. Die Nazis sagten, dass in diesen H\u00e4usern nur Juden wohnen durften.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">So sollte erreicht werden, dass alle J\u00fcdinnen und Juden eng beieinander wohnten. Man wusste, wo sie waren.  Und sie waren von den anderen Menschen getrennt. Seit 1942 musste an den Geb\u00e4uden ein gelber \u201eJudenstern\u201c sichtbar sein.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">In F\u00fcrstenwalde kennen wir bisher zwei \u201eGhettoh\u00e4user\u201c:<\/p>\n<ul class=\"liste-ls\">\n<li>Das Haus der Familie Gro\u00df in der Frankfurter Stra\u00dfe\u00a018.<\/li>\n<li>Das Haus der Familie Kiwi in der Wriezenerstra\u00dfe\u00a012.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"txt-ls txt-letzter-ls\">Im Oktober\u00a01941 begannen die Nazis, J\u00fcdinnen und Juden \u201enach Osten\u201c in Konzentrations-Lager zu transportieren. Die drohende Gefahr trieb in dieser Zeit viele Menschen in den Selbstmord. Bei der <span class=\"umbruch\">\u201eWannsee-Konferenz\u201c<\/span> am 20.\u00a0Januar\u00a01942 in Berlin planten die Nazis die Ermordung von \u00fcber 6\u00a0Millionen j\u00fcdischer Menschen. Dieses Verbrechen an den Juden \u2013 der Holocaust \u2013 fand in ganz Europa statt.<\/p>\n<figure class=\"bild-im-text-ls\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/wp-content\/uploads\/synagoge-fuewa.jpg\" class=\"foto-rahmen\" alt=\"Aufnahme der zerst\u00f6rten Synagoge in F\u00fcrstenwalde\/Spree vom 10.\u00a0November\u00a01939\" \/><figcaption class=\"bildunterschrift-ls\">Novemberpogrome 1938 in F\u00fcrstenwalde: J\u00fcdische Gesch\u00e4fte wurden gepl\u00fcndert, der Friedhof zerst\u00f6rt und die Synagoge angez\u00fcndet. Das private Foto aus dem Haus gegen\u00fcber zeigt das ausgebrannte Geb\u00e4ude.<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"ueberschrift-ls\">Verfolgungsgrund: Widerstand gegen die Nazis<\/h2>\n<p class=\"txt-ls\">Die Nazis kamen 1933 an die Macht. Seitdem versuchten sie jeden auszuschalten, der anderer Meinung war: Kritiker, andere Parteien, Andersdenkende.<br \/>\nDie Nazis versuchten, politische Gegner mit Zeitungsartikeln und Plakaten zu schw\u00e4chen, aber auch durch Massen-Verhaftungen.<br \/>\nPolitische Gegner wurden unterdr\u00fcckt, verfolgt, verhaftet und ermordet. Das traf vor allem Mitglieder der Sozialistischen Partei\u00a0(SPD) und der Kommunistischen Partei\u00a0(KPD).<br \/>\nIn F\u00fcrstenwalde waren das zum Beispiel der Sozialdemokrat Albert Genz und der Kommunist Richard Soland. An beide erinnern Stolpersteine.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Der sozialdemokratische Widerstand wurde hart getroffen, als am 2.\u00a0Mai\u00a01933 die Freien Gewerkschaften aufgel\u00f6st wurden. Die Leitung wurde verhaftet. Danach gab es nur noch eine einzige, zentrale Gewerkschaft \u2013 die national-sozialistische \u201eDeutsche Arbeitsfront\u201c. Am 22.\u00a0Juni\u00a01933 wurde dann die SPD verboten. Damit endete die Demokratie in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"txt-ls txt-letzter-ls\">Menschen verschiedener Herkunft und politischer Ansichten leisteten Widerstand. Manche dieser Helden des Alltags halfen Verfolgten, sich zu verstecken. Andere waren direkter: Der F\u00fcrstenwalder Richard Wei\u00dfensteiner und seine Frau Hanni waren Mitglied der Widerstandsgruppe \u201eRote Kapelle\u201c Beide nahmen an Aktionen gegen die Nazis teil und \u00e4u\u00dferten Kritik am Regime. All diese Menschen riskierten ihr Leben.<\/p>\n<figure class=\"bild-im-text-ls\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/wp-content\/uploads\/siedow-max_entlassung.jpg\" class=\"foto-rahmen\" alt=\"Entlassung\" \/><figcaption class=\"bildunterschrift-ls\">Der Entlassungsbrief vom 29.\u00a0April\u00a01933 an Max\u00a0Siedow. Weil er ein Mitglied der verbotenen SPD war, wurde er aus seiner Arbeitsstelle im Rathaus von F\u00fcrstenwalde entlassen.<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"ueberschrift-ls\">Verfolgungsgrund: Behinderungen und psychischen Krankheiten<\/h2>\n<p class=\"txt-ls\">Die nationalsozialistische Ideologie teilte Menschen in Gruppen ein.<br \/>\nKranke und Menschen mit Behinderungen galten als \u201eweniger wert\u201c. Laut den Nazis verdienten sie es nicht zu leben. Das deutsche Volk sollte nicht nur \u201erassisch rein\u201c sein, sondern auch frei von Erbkrankheiten.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Kurz nach der Macht\u00fcbernahme 1933 kam das Gesetz zur \u201eVerh\u00fctung erbkranken Nachwuchses\u201c. Das hei\u00dft, die Zwangs-Sterilisation von Menschen mit Erbkrankheiten wurde erlaubt. Danach folgten Morde an S\u00e4uglingen, Kindern und Erwachsenen. Diese wurden besch\u00f6nigend Euthanasie genannt \u2013 griechisch f\u00fcr \u201eder sch\u00f6ne Tod\u201c.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">In den Kriegsjahren 1940 und 1941 organisierten die Nazis eine zentrale T\u00f6tungsaktion und ermordeten psychisch kranke und behinderte Menschen. Nach dem Krieg nannte man diese Morde \u201eAktion\u00a0T4\u201c. Das war die Adresse der B\u00fcrozentrale in der Tiergartenstra\u00dfe\u00a04 <span class=\"umbruch\">(Berlin-Mitte).<\/span> Von dort aus leiteten die Nazis sechs T\u00f6tungsanstalten mit dem Ziel der \u201eVernichtung lebensunwerten Lebens\u201c.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Am 24.\u00a0August\u00a01941 endete die Aktion offiziell, die Morde gingen weiter. Mitarbeiter der Justiz, der Polizei, der Verwaltung sowie Pfleger und \u00c4rzte t\u00f6teten insgesamt 200.000 Menschen.<\/p>\n<p class=\"txt-ls\">Die T\u00f6tungsanstalten waren in Gomadingen (Schloss Grafeneck, <span class=\"umbruch\">Baden-W\u00fcrttemberg),<\/span> Brandenburg an\u00a0der\u00a0Havel (Altes Zuchthaus, Brandenburg), Alkoven (Schloss Hartheim, Ober\u00f6sterreich), <span class=\"umbruch\">Pirna-Sonnenstein<\/span> (Sachsen), Bernburg an\u00a0der\u00a0Saale <span class=\"umbruch\">(Sachsen-Anhalt)<\/span> und Hadamar bei Limburg (Hessen).<\/p>\n<p class=\"txt-ls txt-letzter-ls\">Viele Pflege- und Heil-Anstalten waren sogenannte <span class=\"umbruch\">\u201eZwischen-Anstalten\u201c.<\/span> Das hei\u00dft, die Menschen waren dort nur f\u00fcr kurze Zeit. Damit sollte der Weg der Opfer zu den T\u00f6tungs-Anstalten verschleiert werden. Zu diesem System der Zwischen-Anstalten geh\u00f6rten vermutlich auch die <span class=\"umbruch\">Samariter-Anstalten<\/span> in Ketschendorf, dem heutigen <span class=\"umbruch\">F\u00fcrstenwalde-S\u00fcd.<\/span><\/p>\n<figure class=\"bild-im-text-ls\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/wp-content\/uploads\/haus-bethanien-fuewa.jpg\" class=\"foto-rahmen\" alt=\"Haus Bethanien der Samariteranstalten in F\u00fcrstenwalde\/Spree\" \/><figcaption class=\"bildunterschrift-ls\">Haus Bethanien der Samariter-Anstalten in Ketschendorf (heute <span class=\"umbruch\">F\u00fcrstenwalde-S\u00fcd)<\/span> um 1900.<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"box-rahmen-oben\">\n<p class=\"txt-ls txt-erster-ls fett\">Die Stolpersteine in F\u00fcrstenwalde: <a href=\"https:\/\/umap.openstreetmap.de\/de\/map\/arbeitsgruppe-stolpersteine-furstenwaldespree_25531\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">umap.openstreetmap.de<\/a><\/p>\n<p class=\"txt-ls fett\"><a href=\"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/juedisches-fuerstenwalde-es\">Geschichte der Juden in F\u00fcrstenwalde<\/a><\/p>\n<p class=\"txt-ls fett\"><a href=\"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/einfache-sprache\">Einf\u00fchrung<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Menschen verfolgt wurden Verfolgungsgrund: National-sozialistische Rassen-Ideologie 1933 kamen die National-Sozialisten in Deutschland an die Macht. 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