{"id":6341,"date":"2023-05-18T14:36:51","date_gmt":"2023-05-18T12:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/?p=6341"},"modified":"2025-11-07T19:26:53","modified_gmt":"2025-11-07T18:26:53","slug":"verbrennungsaktion-1933","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stolpersteine-fuerstenwalde.de\/en\/verbrennungsaktion-1933\/","title":{"rendered":"Erinnerungstage: 18.\u00a0Mai\u00a01933 &#150; Verbrennungsaktion in F\u00fcrstenwalde"},"content":{"rendered":"<p>Am 10.\u00a0Mai\u00a01933 brannten in zahlreichen deutschen St\u00e4dten B\u00fccher. Dies war nur der H\u00f6hepunkt der propagandistischen Hetzkampagne gegen die Systemgegner*innen. Im Rahmen der \u201eAktion wider den undeutschen Geist\u201c vernichteten die Nationalsozialisten Kulturgut und Schrifttum, welches sich gegen ihre Ideologie wandte oder nicht in ihre Normen passte. Nach den gro\u00dfen Universit\u00e4tsst\u00e4dten zogen viele kleinerer Ortschaften nach. So auch die F\u00fcrstenwalder NSDAP, die eine Verbrennungsaktion f\u00fcr den 18.\u00a0Mai\u00a01933 geplant hatte. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bereits seit M\u00e4rz\u00a01933, also knapp zwei Monate nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, fanden zur Einsch\u00fcchterung \u2013 parallel zu Verfolgung und Verhaftungen \u2013 Durchsuchungen und Pl\u00fcnderungen durch die SA statt. Am 16.\u00a0Mai wurden H\u00e4user und Gesch\u00e4ftsstellen aus dem politischen Umfeld der KPD und der SPD in F\u00fcrstenwalde durchsucht. Das gesamte gefundene Material \u2013 Schriften, Brosch\u00fcren, Zeitungen, aber auch B\u00fccher, Abzeichen und Fahnen \u2013 wurden zwei Tage sp\u00e4ter \u00f6ffentlich verbrannt.<\/p>\n<p>Die <em>F\u00fcrstenwalder Zeitung<\/em> berichtete am 17.\u00a0Mai von den Vorbereitungen und am 20.\u00a0Mai unter dem Titel \u201eSymbolischer Scheiterhaufen!\u201c von der zwei Tage vorher durchgef\u00fchrten Aktion.<\/p>\n<p>Der Umzug sollte am Kino <em>Capitol<\/em> starten und dann auf dem Marktplatz mit einer Kundgebung und der Entfachung des \u201ereinigenden Feuers\u201c seinen Abschluss finden. Der Andrang der Menschenmassen f\u00fchrte jedoch dazu, dass die Verbrennung verlegt werden musste. Nun zogen die Wagen mit dem gegnerischen Gedankengut auf den gro\u00dfen Exerzierplatz im Osten der Stadt an der Lindenstra\u00dfe. Vertreter der nationalsozialistischen Organisationen, der Kirche und der Deutschen Christen waren anwesend und hielten Ansprachen. Die konfiszierten Schriften und Symbole wurden im Anschluss \u2013 begleitet von \u201eFeuerspr\u00fcchen\u201c \u2013 verbrannt.<\/p>\n<p>Der symbolisch aufgeladene, propagandistische Abend wich vom urspr\u00fcnglichen Ansatz ab. Die Deutsche Studentenschaft hatte sich zun\u00e4chst zum Ziel gesetzt, literarische und politische B\u00fccher der \u201eSchwarzen Liste\u201c zu vernichten. Diese wurden offenbar einige Zeit sp\u00e4ter in F\u00fcrstenwalde verbrannt. Am 25.\u00a0Mai ver\u00f6ffentlichte die F\u00fcrstenwalder Zeitung einen Aufruf der Ortsgruppe der NSDAP \u201eSchmutz- und Schundliteratur\u201c \u2013 darunter auch weiterhin politische Schriften \u2013 bei der Polizeiwache abzugeben. Explizit wurden Schulen angesprochen. Laut dem Bericht lagerten in der Sammelstelle zahlreiche B\u00fccher von Marx, Engels, Luxemburg, aber auch von dem deutsch-j\u00fcdischen Arzt und Sexualforscher Dr.\u00a0Magnus Hirschfeld. Die Polizei f\u00fchrte demnach bereits seit mehreren Tagen kleinere Verbrennungsaktionen durch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10.\u00a0Mai\u00a01933 brannten in zahlreichen deutschen St\u00e4dten B\u00fccher. Dies war nur der H\u00f6hepunkt der propagandistischen Hetzkampagne gegen die Systemgegner*innen. 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